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Showauftritt 'Back to the roots '
Was als normaler Showauftritt begann, entpuppte sich als ein Blick in die Vergangenheit; die des RRRV, des Rock'n'Roll-Tanzes und meiner eigenen...
25 Jahre RRRV. Mit all seinen Facetten wollte sich der RRRV auf seiner Jubiläumsgala und der LM 2007 in Speyer präsentieren und hatte nach rheinland-pfälzischen Paaren gesucht, die gemeinsam eine Show mit Shag, Lindy Hop und Boogie (den Vorläufern des heutigen Rock'n'Roll) zeigen könnten.
Nachdem wir schon seit Wochen abgesagt hatten, wegen unseres Nachwuchs, kam plötzlich einen Tag vor der Veranstaltung ein verzweifelter Hilferuf von Jürgen: ein Paar war verletzungsbedingt ausgefallen, unser zweites Paar würde bestimmt nicht alleine dorthin fahren und tanzen und wir wollten den RRRV auch nicht hängen lassen, nachdem wir wussten, es waren sonst nur noch zwei Paare aus Neustadt. 'Du Steffie, meinst du, wir kriegen das hin, dass wir beide Boogie tanzen?'. Boing. Erst mal Gedanken sortieren, Luft holen und dann alles der Reihe nach: Wir hatten genau 24 Stunden Zeit, um folgende Dinge zu regeln:
Ich kann gar kein Boogie, nur Lindy Hop. Ist zwar so ähnlich, aber dann doch ganz anders. Und: Jürgen ist normalerweise nicht mein Tanzpartner. Also mussten wir vorher auf jeden Fall noch einmal trainieren! Nach drei Telefonaten und einem kurzfristig von 21.30 bis 24.00 Uhr eingeräumten Training hatte Jürgen mir sein komplettes Repertoire an Boogiefiguren, inkl. Grundschritt, Führung und für alle Eventualitäten noch das Medley eingehämmert.
Ich habe gar kein Pettycoat-Kleid. Telefonisch war schnell eins organisiert, aber praktisch sah es so aus, dass es eine Viertelstunde vor Abfahrt eintraf.
Wegen Training und Auftritt mussten wir je einen Besuch absagen und umdisponieren. Nach 6 Telefonaten war auch das geregelt.
Aber das größte Problem: was ist mit unserem Kleinen (10 Monate)? Also habe ich zwischen all den Telefonaten, dem Training und den paar Stunden Schlaf auf die Schnelle Vorbereitungen getroffen und meinen Mann mit dem Kleinen und den wichtigsten Anweisungen schweren Herzens zurückgelassen. Ich war noch nie vorher so weit und so lange von ihm weg. Würde alles gut gehen?
Bevor wir in Speyer ankamen war ich hauptsächlich wegen der Sache mit meinem Kleinen nervös, alles Andere war dagegen ja fast ein Klacks.
Von dem Moment aber an, als wir in Speyer ankamen, überfiel mich ein Gefühl, das nur Turniertänzer nachvollziehen können und eine richtige Beschreibung fällt schwer. All die Autos mit ihren Rock'n'Roll-Aufklebern, Turnierpaare in Vereinstrainingsanzügen bepackt mit Sporttaschen und Maskottchen, der suchende Blick unter den Autokennzeichen/Aufklebern, welche bekannten Gesichter man wohl treffen würde. Dann dieses Gefühl am Zuschauereingang vorbei und zum Sportlereingang rein zu gehen, die Startbuchannahme, die Startklassen an den Türen. Die ganz spezielle Atmosphäre in den Umkleiden: ein Gemisch aus Erwartung, Konzentration, Nervosität, Müdigkeit, Frust, Freude, Wiedersehens-Hallo, Trikots, Trainingstaschen, Haarspray-, Deo- und Schweißgeruch, Geräuschen aus der Halle und den Duschen.
Zu meinem eigenen Erstaunen war ich plötzlich nicht mehr aufgeregt wie vor einem Showauftritt sondern wie vor einem Turnier damals. Ja damals.... Umgekehrt zur Musik- und Tanzgeschichte habe ich nämlich, wie so viele Tänzer, erst mal begeistert mit Rock'n'Roll angefangen, um dann zurück zu den Wurzeln zu gehen. Ein bisschen Boogie und Shag geschnuppert, bei Lindy Hop mit Leib und Seele hängen geblieben und Steptanz durfte auch nicht fehlen. Zurück zu heute....
 Wir Koblenzer trafen nun zum ersten Mal auf die Neustädter Paare, unterhielten uns kurz, suchten uns eine gemeinsame Umkleidekabine, erforschten zusammen die Halle. Dann die Stellprobe mit zwei Durchläufen. Kleiner Spaß am Rande 'Das war ganz schön langsam, oder? Können wir das noch ein bisschen schneller switchen?' – alles war am Schnaufen, ich war am Nicken, weil ich dachte, das wäre ironisch gemeint. War's aber nicht; was bin ich da zum Mischpult gerannt, um das noch aufzuklären! Umziehen, Warmtanzen und dann durften wir durch die S(ch)wingtür (das Achtung Stufe-Schild hat so unsere Aufmerksamkeit auf sich gezogen, dass wir von der Stufe völlig überrascht wurden) raus auf die Bühne bzw. Turniertanzfläche. Da war es wieder dieses Déjà-Vu. Wo bin ich denn hier, auf einer LM oder einem Showauftritt? Aufwachen! Puh, die Wertungsrichter sitzen ganz entspannt und werten eben nicht. Was wollen wir denn hier zeigen? Keinen Turniertanz, keine feste Folge, Führen und Folgen, Freude am Tanzen, eine tänzerische Zeitreise durch die 30er bis 60er Jahre. Die Kulisse: Wurlitzer Box, Buddy Holly + Cadillac zeigten bereits an, wo die Wurzeln des Rock'n'Roll liegen (und noch weitergehen). So zeigten die Neustädter Shag und Lindy Hop und wir alle zusammen dann den Boogie Woogie. Die Zeit des heutigen Rock'n'Roll, wie man ihn den Rest des Abends auf der LM sehen konnte, brach erst nach ca. 2 Jahrzehnten Dornröschenschlaf in den 80ern an. Die meisten Rock'n'Roll-Vereine wurden damals gegründet und ebenso der RRRV. Fazit: Die Vergangenheit holt einen immer wieder ein und: ob Shag, Lindy Hop, Boogie oder Rock'n'Roll – wir sind doch alle eine Familie!!
In diesem Sinne vielen Dank an Speyer, den RRRV-Vorstand, und vor Allem unserem Neustädter-Koblenzer-Showteam, es ist immer wieder eine Bereicherung, andere (Swing-) Tänzer kennen zu lernen und ihnen zuzuschauen.
Stephanie Ritter |